heilig-rock-blog beendet

Mai 8th, 2007

Weihbischof Stephan Ackermann hatte es schon angekündigt – das “heilig-rock-blog” ist mit den HeiligRock-Tagen 2007 und der Ankündigung einer großen Wallfahrt für 2012 beendet.

Die Redaktion www.bistum-trier.de findet, man sollte öfter mal bloggen – die Gelegenheit wird sich ergeben…

Pfingsten diesmal früher

April 30th, 2007

Ich reiße mich vom Abschluss-Fest mit den vielen Heilig-Rock-Helfern los, denn ich muss ja noch meinen WebLog-Eintrag schreiben, den letzten.

Konnte ich gestern schon Familie Gottes erleben, so wird diese Erfahrung heute noch einmal verstärkt und der Kreis noch weiter gezogen: Am Nachmittag ist Messe mit den Familien und den Gemeinden fremder Muttersprache in unserem Bistum. Über dem Chorgestühl hängen rechts und links verschiedene Nationalflaggen. Das erzeugt ein Flair, das irgendwo zwischen Weltjugendtag und Fußballweltmeisterschaft angesiedelt ist. Wer wäre geeigneter, der Messe vorzustehen als Weihbischof Leo Schwarz! Weltkirche wird spürbar, als wir zum Schluss in sieben Sprachen gleichzeitig das „Lobe den Herren“ singen. Mir wird noch einmal deutlich, wie wichtig in der Apostelgeschichte die Bemerkung ist, dass jeder der Versammelten am Pfingsttag die Apostel in seiner Sprache sprechen hörte (Apg 2,8). Gottes Geist ebnet nicht ein. Er uniformiert nicht, sondern er eint die Vielfalt.

Nachher Empfang für die Gäste im Hof des Generalvikariates. Wieder spielt das Wetter mit, auch wenn es zwischendurch gewittrig aussieht. Ich spreche länger mit zwei Italienern. Beide leben sie schon Jahrzehnte in Deutschland, in Saarbrücken. Der eine von ihnen stammt aus Salerno. Ich erschrecke und denke mir: Wie drückend und aussichtlos muss die Arbeitsmarktlage damals in Süditalien gewesen sein, wenn man Salerno, dieses landschaftliche Paradies auf Erden, eintauscht gegen Saarbrücken … (Die saarländischen Blogger mögen es mir nachsehen! Denn längst fühlen sich die beiden Männer an der Saar „dahemm“.)

Schon läutet es zur Abschlussvesper. Ein letztes Mal werden wir in diesen Tagen eingehüllt in Musik und Gebet. Zum Schluss ergreift Bischof Reinhard noch einmal das Wort, um zu danken für die Erfahrung dieser 10. Heilig-Rock-Tage. Er erinnert noch einmal an ihren Ursprung in der Wallfahrt von 1996, er nennt Bischof Hermann-Josef. Und dann fällt das magische Datum 1512, das Jahr, an dem der Heilige Rock auf Drängen des Kaisers zum ersten Mal öffentlich gezeigt wurde.

Danach geht alles sehr schnell: Im Blick auf das 500. Jubiläum dieser ersten Zeigung ruft der Bischof für 2012 eine neue große Heilig-Rock-Wallfahrt aus. Schon in der Ankündigung wird klar, dass diese Wallfahrt wie schon 1996 nicht auf das Bistum begrenzt bleiben wird: „Der Heilige Rock ist uns Trierern anvertraut, aber er gehört der ganzen Christenheit!“ Im Dom brandet Beifall auf. Als ich nachher vor dem Dom stehe, sagt eine alte Frau nachdenklich: „2012 – Ob ich das wohl noch miterleben werde?“ Ich wünsche es ihr.
____________________________

Zum Schluss allen WebLog-Lesern einen herzlichen Abschiedsgruß! Ab morgen, nein, ab heute abend schon wird das „Tagebuch über die Erlebnisse eines Weihbischofs“ wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt …

Nacht im Dom

April 29th, 2007

Gegen Viertel vor Zehn gehe ich noch einmal in den Dom, um etwas von der Atmosphäre der sogenannten DomNacht, die bis zum Morgen andauert, zu erleben.

Als ich den Dom betrete, tanzt gerade auf der Altarinsel ein Balletttänzer zu Klezmer-Musik. Thema: David tanzt vor der Bundeslade. Ich setze mich in die Nähe des Taufbeckens. Trotz der bewegten Klarinettenmusik höre ich bald hinter mir einen Mann zischen: “Der Bischof müsste sich in Grund und Boden schämen, dass er so etwas zulässt.” Ich versenke mich in das Programmheft, bin froh für die Dunkelheit und hoffe, dass ich nicht erkannt oder gar angesprochen werde. Mir kommt 2 Sam 6 in den Sinn, und ich denke: Michal lässt grüßen.

Ich wandere durch den Dom und steige die Chortreppen hinauf, um noch einmal zum Heiligen Rock zu gehen. Von hier oben wirkt das Mittelschiff wie ein dunkles Tal, über dem hoch oben der Domorganist in seinem spärlich erleuchteten Schwalbennest schwebt.

Inzwischen ist der Bischof eingetroffen. Er eröffnet die Lichtfeier und den Lesegottesdienst. Ich setze mich auf die oberste Treppenstufe, höre und warte, bis die Mitfeiernden unten im Dom sich zu einer Prozession formieren und zu einer Statio auf den Hauptmarkt ziehen. Nach einem kurzen Gebet in der stillen Heilig-Rock-Kapelle steige ich langsam hinab und verlasse den Dom. Von der Prozession ist nichts mehr zu sehen, sie scheint auf dem Markt angekommen zu sein. Ich wende mich nach rechts und gehe heim in dem Wissen: Der Bischof wird noch einige Zeit im Dienst sein, der Weihbischof aber geht jetzt schlafen.

Familie Gottes live

April 28th, 2007

Nicht nur vom Volk Gottes und vom Leib Christi, auch von der Familie Gottes hat das Konzil gesprochen. Was in den Konzilsdokumenten feierlich und immer ein bißchen altertümlich klingt, darf ich heute live erleben. Am Morgen Messe im übervollen Dom: kfd-Gruppen aus dem ganzen Bistum sind zu ihrem Diözesantag angereist. Dazu kommen rund 400 Menschen mit geistiger Behinderung, die mit Familienangehörigen oder Begleitern da sind. Eine lebendige und unkonventionelle Gottesdienstgemeinde mit einer hohen Aufmerksamkeit der einen für die anderen. Einige der Behinderten verstärken sogar die Dom-Ministratur. Sie machen ihre Sache auf dem unbekannten Terrain gut und voller Stolz und auch die Wandlungsschelle ertönt heute ungewöhnlich lang und inbrünstig. 

Als der ganze Dom nach der Kommunion den “Schlager” Gottes Liebe ist so wunderbar anstimmt und mit den bekannten Gesten bekräftigt, wirkt es überhaupt nicht kindisch. Vielmehr spüren alle instinktiv: Kind Gottes zu sein, das ist die Freude, die uns über alle Unterschiede hinweg miteinander verbindet.

Was wir Großen erst wieder lernen müssen, das wissen die Kleinen nebendran in der Liebfrauenkirche noch intuitiv: Zu jeder vollen Stunde singen dort heute die Pueri Cantores, Kinderchöre aus verschiedenen Teilen des Bistums. Sie singen und beten für den Frieden. Während ich in der Bank sitze, den Kinderstimmen lausche und den Blick über die in der Mittagssonne flammenden Fenster der Liebfrauenbasilika streifen lasse, steigt in mir ein Gefühl großer Dankbarkeit auf und ein von Bischof Reinhard häufig zitierter Satz: “Es ist gut, ein Mensch zu sein” – dies umso mehr, wenn man zur Familie der Glaubenden gehören darf.

Als ich nach dem Mittag vor dem Dom wieder auf eine Gruppe von behinderten Männern in Rollstühlen treffe, lüftet sich unerwartet das Geheimnis um das inbrünstige Schellen während der Wandlung am Morgen: Einer der Männer zieht doch tatsächlich aus seinem Gepäck ein Prachtexemplar von Schelle hervor. Er hatte sie eigens von zu Hause mitgebracht und sie von seinem Platz irgendwo im Dom aus punktgenau zum Einsatz gebracht!

Am Nachmittag gönne ich mir mit Msgr. Wahl etwas abseits vom Getriebe einen Eiskaffee. “Weißt Du eigentlich”, fragt er mich, “woher die Redewendung ‘auf Tuchfühlung gehen’ kommt?” Wie oft habe ich das Leitwort in den letzten Tagen gehört, zitiert und darüber gepredigt, aber ich muss passen. “Ich wusste es auch nicht”, gibt er zu, “aber ein gebildeter Mensch hat mir erklärt, die Redewendung komme ursprünglich aus dem Militärischen: Soldaten, die sich im Unterholz voran robben, hat man ermahnt, miteinander auf Tuchfühlung zu bleiben, um sich nicht zu verlieren.” – Ein schöne Erklärung, die geradezu spirituelle Qualität hat: Sie ermuntert dazu, im Gestrüpp und im Kampf des Alltags mit Gott Seite an Seite zu bleiben.

Planung und Segen

April 27th, 2007

Freitag morgen, 8.30 Uhr, Sitzung Bischofshof: Das Bistumsfest wird für gut zwei Stunden unterbrochen. Ernüchternde Alltagsarbeit ist angesagt: Die Steuerungsgruppe unseres Bistumsprozesses “Projekt 2020” stellt dem Bischof und den Weihbischöfen die aktualisierte Fassung des Strukturplans vor. Ungezählte Rückmeldungen aus den Pfarreien und Dekanaten sind vom Projektbüro gesichtet und eingearbeitet worden. Bevor es in die nächste Beratungsrunde mit dem Priesterrat und dem Pastoralrat geht, wird der Plan intern noch einmal Dekanat für Dekanat durchgeschaut und besprochen. Seite um Seite wird das Bistum irgendwie vor uns aufgeblättert: Gesichter tauchen auf, Gespräche, Briefe, Anliegen …

Vieles ist zustimmungsfähig, aber so manches wird schier unlösbar bleiben und Enttäuschung hervorrufen, so oder so. Bei mancher Frage rettet mich in dieser Sitzung nur der Griff nach den süßen Schokoladeneiern, die im Schälchen vor mir auf dem Tisch stehen … Wie wir es auch drehen und wenden – selbst in diesen Heilig-Rock-Tagen: das Kleid unseres Bistums ist an vielen Stellen weit und löchrig geworden. Die Fäden müssen neu zusammengebunden werden.

Szenenwechsel: 15.20 Uhr, Dom: Bischof Reinhard spricht in seiner Predigt von unserer Verantwortung für das Klima. Nach wenigen Sätzen wird klar, er meint nicht die Erderwärmung sondern das Klima zwischen uns Menschen. Auch dafür tragen wir Verantwortung, gerade als Christen. Merkt man uns an, dass wir aus dem Segen Gottes, das heißt aus seinem liebenden und aufrichtenden Zuspruch heraus leben? Das wäre ein Dienst gegen die Niedergeschlagenheit so vieler Zeitgenossen.

Dann, zum Schluss der Messe, ergeht an die Mitfeiernden die Einladung, sich einzeln von den anwesenden Bischöfen und Priestern segnen zu lassen für die eigenen oder auch die Anliegen anderer Menschen. Wieviele werden wohl auf dieses Angebot eingehen, frage ich mich gespannt. Wird das funktionieren? Für den Dom ist das eine Premiere. Der Bischof macht den Anfang und bittet um den Segen für sich und sein Amt. Dann geht es wie von selbst: Mit großer Selbstverständlichkeit und Intensität wird die Einladung angenommen, und es bilden sich Menschentrauben um die Segnenden. Dabei darf alles sein: Tränen aus Not und Rührung ebenso wie die Bitte um den Dreifach-Segen einer amerikanischen Touristin, die mir zusammen mit sich selbst zugleich ihren Enkel und einen Rosenkranz hinhält.

Lila und Gold

April 27th, 2007

Mitunter wird man als Bischof engagiert, um mehr Farbe ins Bild zu bringen. Ein Pressefoto mit etwas Lila zieht Blicke an. So gehe ich am Morgen zu einer Veranstaltung der Caritas: 200 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die sich bei einem der sogenannten Tafelprojekte im Bistum engagieren, sind gekommen zu einem Tag der Begegnung und des Gedankenaustauschs. An 17 Orten, vom Rhein bis an die Saar, gibt es bereits eine “Tafel”, wo Bedürftige zu einem symbolischen Preis Lebensmittel kaufen können, die vorher von Einzelpersonen oder Läden gestiftet worden sind. Erschreckend und erfreulich zugleich: die Zahl solcher Tafeln wächst. Beeindruckend das Engagement der vielen Ehrenamtlichen, die viel Zeit investieren, um die Lebensmittel zusammenzubringen oder sie an die Kunden auszugeben. Für diesen guten Zweck ziehe ich gerne die “Uniform” an und lasse mich einspannen: Mit Herrn Junk, einem Profikoch gehe ich zur Trierer Tafel zum “Einkauf”. Mit beladenen Kartons und unter fotografischem Beschuss kehren wir zurück. Dann gibt Herr Junk Tipps, was man aus einfachen Zutaten alles zaubern kann, und mir läuft schon vor Zwölf das Wasser im Mund zusammen.

Am Nachmittag finde ich dann endlich die Zeit, ein wenig den Domkreuzgang zu durchstreifen. Er bietet in diesen Tagen eine gewagte Mischung von altehrwürdigem Gemäuer und farbenfrohen Kleinkunstwerken aus Karton, Papier und Leinenstoff, die die Kinderpilger verfertigt haben.

Ich schließe meinen Rundgang mit einem Abstecher in die neu eröffnete Kapelle, die dem im 4. Jahrhundert nach Trier verbannten Kirchenvater Athanasius von Alexandrien geweiht ist. Nach dem Willen von Bischof und Domkapitel soll die Kapelle auch ostkirchlichen Gruppen zum Gottesdienst zur Verfügung stehen. In diesen Tagen dient sie als Raum der Stille. In ihr umfängt mich nicht nur eine erfrischende Kühle. Ich werde geradezu in eine andere Welt versetzt: In der Spätnachmittagssonne glänzt der Goldgrund der Ikonenwand mit besonderer Intensität. Ich setze mich und merke: Die Menschen, die den Raum betreten, werden unwillkürlich still.

Ich schließe die Augen und sehe vor mir das Bild, das ich in diesen Tagen so oft sehe: Menschen wandeln neugierig und respektvoll zugleich durch den Dom, durch seine Krypten und Kapellen; erkunden diesen über Jahrhunderte gewachsenen Raum des Glaubens. Für mich ein schönes Bild dafür, was der Auftrag der Kirche in unserer, wie in jeder Zeit ist: Menschen den Raum des Glaubens zu eröffnen, sie hereinzubitten, ihnen die nötige Bewegungsfreiheit zu geben und dabei mitzuhelfen, dass sie in diesem Raum Heimat finden.

Priestertag

April 26th, 2007

Von Priestermangel konnte heute in der Trierer Innenstadt keine Rede sein: Rund 400 Priester kommen auf Einladung von Bischof Reinhard zum Priestertag. Als die Priester zum Mittagessen ins Treffpunktzelt auf dem Domfreihof strömen, stoße ich auf einige Ordner, die sich etwas abseits geflüchtet haben und nun mit sichtlichem Vergnügen diese überdimensionale Männergruppe mustern. Sie schmunzeln über die Verschiedenheit der Typen, die da einander begrüßend und schwatzend heranrollen. Von einer normierten Truppe kann keine Rede sein.

Gut 25 Jahre sind nun seit meinem Eintritt ins Priesterseminar vergangen. Inzwischen kenne ich eine ziemlich große Anzahl der Mitbrüder. Priestertag hat daher etwas von einem großen Familientreffen: Da sind Mitbrüder, die man schon über längere Zeit nicht mehr gesehen hat und über deren Wiedersehen man sich wirklich freut. Andere der Mitbrüder wiederum weiß man an der entgegengesetzten Ecke des Zeltes gut aufgehoben. Wieder andere kennt man nur vom Hörensagen …

Es wird geschaut und geratscht. Wie im richtigen Familien-Leben eben: Man wundert sich, wie sehr der eine zu- und der andere abgenommen hat, wie grau der Mitbruder X. geworden und wieviele Haare Mitbruder Y. seit dem letzten Zusammentreffen gelassen hat … Man stellt fest, dass E. immer noch so neugierig ist wie im Seminar und M. heute noch so geradlinig-heiter wie damals. Mir kommen auch die in den Sinn, die nicht da sind: diejenigen, die innerlich abgehängt haben; die, die krank sind; und die von uns, die in den letzten Monaten z.T. unter dramatischen Umständen gestorben sind.

Im Rund der Liebfrauenkirche neben dem Dom hat der Bischof vorher ein Referat gehalten zur Frage nach dem priesterlichen Dienst unter den heutigen gesellschaftlichen und pastoralen Bedingungen. Ein wenig wie in der Arena steht er da in der Mitte, wie er gestikuliert, um seine Priester wirbt, mal ermutigend, mal witzelnd, mal ermahnend. Er ruft uns in Erinnerung, dass Christus selbst uns für sein Werk der Verkündigung der Frohen Botschaft berufen hat und braucht. Manch einer lässt wie ich verstohlen den Blick über die Reihen gleiten und denkt sich: Ausgerechnet uns.

Heute mehr Hintergrund

April 24th, 2007

Die “Dommeile” heute nur einmal gestreift. Auf dem kurzen Weg zwischen Wohnung und Büro, für den ich sonst nur 5 Minuten brauche, geht es in diesen Tagen nie unter 15. Recht so. 

Ansonsten war vor allem Arbeit im Hintergrund, “backstage”, angesagt: Letzte Vorbereitungen für das Pontifikalamt am Freitag nachmittag, bei dem es anschließend die Möglichkeit zur persönlichen Einzelsegnung geben wird. Für die Heilig-Rock-Tage ein Novum und ein Experiment. Ob es angenommen wird? Ich werde berichten. Bei Besuchen in den Pfarreien begegne ich jedenfalls immer wieder auch der Bitte von Erwachsenen um einen persönlichen Segen. Das ist nicht nur Kindersache. Menschen spüren zunehmend deutlicher, dass wir uns in all unserem Wohlstand nicht alles kaufen und selbst geben können. Das Wichtigste in unserem Leben bekommen wir ohnehin nur gratis.

Genau das zu vermitteln, wird auch eine der wichtigen Aufgaben der 60 jungen Religionslehrerinnen und -lehrer sein, denen ich am Nachmittag in der Katholischen Akademie die Urkunden mit der sogenannten Missio, der bischöflichen Beauftragung zur Erteilung des Religionsunterrichts, überreiche. Innerkirchlich oft gescholten, von den Lehrerkollegen manchesmal belächelt, gehören die Religionslehrer nicht selten zu den wenigen, die den Schülern die Chance bieten, mit Gott, Glaube und Kirche auf Tuchfühlung zu gehen. Danke dafür!

Kinder, Kinder

April 23rd, 2007

Rund 3000 Kinder aus Kindertageseinrichtungen im Bistum “fielen” heute in Trier ein: ein faszinierendes Gewusel im Dombereich und darüber hinaus. Dinos, Mäuse und Gespenster als Gruppen-Logo, Kappen in rot, orange, gelb, blau … als Erkennungszeichen oder den Heiligen Rock zum “Mini-Rock” verkleinert und in Plastik eingeschweißt um den Hals, dazu Namen und Anschrift, damit ja keiner verloren geht.

Zum Abschluss treffen wir uns im Dom: Belagerungszustand, auf der Altarinsel ist kein freies Fleckchen mehr zu sehen, ein Gewimmel an Stimmen und Farben. Und singen können die! Da könnte sich manche Gemeinde etwas abschneiden.

Am schönsten aber ist das Bild im altehrwürdigen Domkreuzgang: Bei dem schönen Wetter sind der Kreuzgang und vor allem die Rasenfläche in seiner Mitte kurzerhand zum Picknickort umfunktioniert. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den gepflegten Gräbern der Domherren lagern die Kindergruppen auf dem Boden, verzehren ihren Proviant, tauschen ihre Erlebnisse und Schätze aus … Der ansonsten beschauliche Friedhof, heute wirkt er eher wie ein sonnendurchfluteter Schulhof.

Ich höre den erst vor wenigen Monaten verstorbenen Dompfarrer Föhr lachen. Sein Grab ist noch nicht befestigt. Wie oft hat er Kindern den Dom erschlossen. Er hätte heute, nein, er hat heute seine helle Freude. Und ich muss wieder an das Wort von Rilke denken: “Lebendige machen alle den Fehler, dass sie zu stark unterscheiden. Engel (sagt man) wüssten oft nicht, ob sie unter Lebenden gehn oder Toten.” Die kleinen Engel dieses Tages bewegten sich jedenfalls ganz ungeniert zwischen den Welten.

Wurzeln und Früchte

April 23rd, 2007

Dieser Sonntag steht für mich nahezu ganz im Zeichen eines Jubiläums: 50 Jahre Malteser-Hilfsdienst im Bistum Trier. Zuerst das festliche Pontifikalamt im Dom mit Bischof Reinhard. Dann heißt es, den Diözesanbischof zu vertreten beim Festzug mit den knallroten Fahnen und Musik durch die Stadt sowie beim Festakt in der ehemaligen Abteikirche St. Maximin. Ich erfahre, dass der MHD 1957 in Trier ganz bescheiden mit einigen Erste-Hilfe-Kursen angefangen hat. Heute zählt er im Bistum mehr als 6.000 ehrenamtliche Aktive, die bei Großveranstaltungen im Einsatz sind, aber auch Krankentransporte, Fahrdienste, Betreuungsangebote, Hilfstransporte und und und machen.

Der Präsident des MHD in Deutschland erinnert daran, dass der größte Einsatz der aus dem Malteserorden entstandenen Organisation seit der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571 der Weltjugendtag 2005 in Köln gewesen sei. Beide Male, allerdings auf unterschiedliche Weise, habe man die Schlacht gewonnen …

Zur Domvesper am Abend sind dann die Mönche der Abtei St. Matthias zu Gast. Nach guter Tradition besuchen sich die Domgeistlichen und die Benediktiner wechselseitig jedes Jahr. Beide Gemeinschaften haben den Auftrag, auf je ihre Weise die christlichen Wurzeln Triers zu hüten: das Apostelgrab, die Gräber der ersten Trierer Bischöfe und die Anfänge des Domes unter Kaiser Konstantin. Dieser Auftrag verbindet irgendwie.

Er lässt mich aber auch denken an das, was Bischof Silvano aus Ascoli, der italienischen Partnerstadt Triers, am Eröffnungsabend in seinem Grußwort sagte, indem er an das gemeinsame christliche Erbe Europas erinnerte: “Wie oft sprechen wir in Europa von den christlichen Wurzeln! Ich würde viel lieber über Bäume und Früchte reden.” Wie Recht der Bischof hat. Floskelhaft, quasi-rituell klingt inzwischen oft das Wort von den christlichen Wurzeln Europas. Doch welche Früchte bringen sie heutzutage hervor?