Priestertag

Von Priestermangel konnte heute in der Trierer Innenstadt keine Rede sein: Rund 400 Priester kommen auf Einladung von Bischof Reinhard zum Priestertag. Als die Priester zum Mittagessen ins Treffpunktzelt auf dem Domfreihof strömen, stoße ich auf einige Ordner, die sich etwas abseits geflüchtet haben und nun mit sichtlichem Vergnügen diese überdimensionale Männergruppe mustern. Sie schmunzeln über die Verschiedenheit der Typen, die da einander begrüßend und schwatzend heranrollen. Von einer normierten Truppe kann keine Rede sein.

Gut 25 Jahre sind nun seit meinem Eintritt ins Priesterseminar vergangen. Inzwischen kenne ich eine ziemlich große Anzahl der Mitbrüder. Priestertag hat daher etwas von einem großen Familientreffen: Da sind Mitbrüder, die man schon über längere Zeit nicht mehr gesehen hat und über deren Wiedersehen man sich wirklich freut. Andere der Mitbrüder wiederum weiß man an der entgegengesetzten Ecke des Zeltes gut aufgehoben. Wieder andere kennt man nur vom Hörensagen …

Es wird geschaut und geratscht. Wie im richtigen Familien-Leben eben: Man wundert sich, wie sehr der eine zu- und der andere abgenommen hat, wie grau der Mitbruder X. geworden und wieviele Haare Mitbruder Y. seit dem letzten Zusammentreffen gelassen hat … Man stellt fest, dass E. immer noch so neugierig ist wie im Seminar und M. heute noch so geradlinig-heiter wie damals. Mir kommen auch die in den Sinn, die nicht da sind: diejenigen, die innerlich abgehängt haben; die, die krank sind; und die von uns, die in den letzten Monaten z.T. unter dramatischen Umständen gestorben sind.

Im Rund der Liebfrauenkirche neben dem Dom hat der Bischof vorher ein Referat gehalten zur Frage nach dem priesterlichen Dienst unter den heutigen gesellschaftlichen und pastoralen Bedingungen. Ein wenig wie in der Arena steht er da in der Mitte, wie er gestikuliert, um seine Priester wirbt, mal ermutigend, mal witzelnd, mal ermahnend. Er ruft uns in Erinnerung, dass Christus selbst uns für sein Werk der Verkündigung der Frohen Botschaft berufen hat und braucht. Manch einer lässt wie ich verstohlen den Blick über die Reihen gleiten und denkt sich: Ausgerechnet uns.

4 Responses to “Priestertag”

  1. Ernst sagt:

    Oh Mann, wie penetrant, cher editor, eröffne doch dein eigenes Weblog und hör auf, andere Leute zuzumüllen!

  2. altfried g. rempe sagt:

    Er hat ja sogar eine eigene Seite… und wird deine Bitte im Zweifel mit der Forderung beantworten, wir sollten die Kirche endlich zurück vor’s Tridentinum beamen… ;-(

  3. Ernst sagt:

    Gut! Dann hier meine Forderung: editor in den Delta-Quadranten beamen. Da mag er meinetwegen vor-tridentinisch, vor-nicänisch oder was-weiß-ich leben.

  4. Astrid Baumgärtner sagt:

    Bei dem Priestertagsbericht fällt mir ein wieviele ich auch schon kenne.Ich konnte mir das lebhaft vorstellen. Und beim rundschauen
    hätte ich wohl auch gedacht lang nicht mehr gesehen. Wo hat es ihn nochmal hinverschlagen? Geht es euch noch gut? Mit dem vielen was da so kommt und ist.

    Und an Herrn Ackermann, oh habe glatt den Dr, vergessen :-D, leider kann ich nicht in Trier sein in diesen Tagen. Wir kommen aber mit unsere Radpilgergruppe Samstag nach Christi Himmelfahrt wieder nach Trier. Ihre Berichte gefallen mir. Vieles kann man sich gut vorstellen.
    Viele Grüße aus Lalo.

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