Lila und Gold

Mitunter wird man als Bischof engagiert, um mehr Farbe ins Bild zu bringen. Ein Pressefoto mit etwas Lila zieht Blicke an. So gehe ich am Morgen zu einer Veranstaltung der Caritas: 200 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die sich bei einem der sogenannten Tafelprojekte im Bistum engagieren, sind gekommen zu einem Tag der Begegnung und des Gedankenaustauschs. An 17 Orten, vom Rhein bis an die Saar, gibt es bereits eine „Tafel“, wo Bedürftige zu einem symbolischen Preis Lebensmittel kaufen können, die vorher von Einzelpersonen oder Läden gestiftet worden sind. Erschreckend und erfreulich zugleich: die Zahl solcher Tafeln wächst. Beeindruckend das Engagement der vielen Ehrenamtlichen, die viel Zeit investieren, um die Lebensmittel zusammenzubringen oder sie an die Kunden auszugeben. Für diesen guten Zweck ziehe ich gerne die „Uniform“ an und lasse mich einspannen: Mit Herrn Junk, einem Profikoch gehe ich zur Trierer Tafel zum „Einkauf“. Mit beladenen Kartons und unter fotografischem Beschuss kehren wir zurück. Dann gibt Herr Junk Tipps, was man aus einfachen Zutaten alles zaubern kann, und mir läuft schon vor Zwölf das Wasser im Mund zusammen.

Am Nachmittag finde ich dann endlich die Zeit, ein wenig den Domkreuzgang zu durchstreifen. Er bietet in diesen Tagen eine gewagte Mischung von altehrwürdigem Gemäuer und farbenfrohen Kleinkunstwerken aus Karton, Papier und Leinenstoff, die die Kinderpilger verfertigt haben.

Ich schließe meinen Rundgang mit einem Abstecher in die neu eröffnete Kapelle, die dem im 4. Jahrhundert nach Trier verbannten Kirchenvater Athanasius von Alexandrien geweiht ist. Nach dem Willen von Bischof und Domkapitel soll die Kapelle auch ostkirchlichen Gruppen zum Gottesdienst zur Verfügung stehen. In diesen Tagen dient sie als Raum der Stille. In ihr umfängt mich nicht nur eine erfrischende Kühle. Ich werde geradezu in eine andere Welt versetzt: In der Spätnachmittagssonne glänzt der Goldgrund der Ikonenwand mit besonderer Intensität. Ich setze mich und merke: Die Menschen, die den Raum betreten, werden unwillkürlich still.

Ich schließe die Augen und sehe vor mir das Bild, das ich in diesen Tagen so oft sehe: Menschen wandeln neugierig und respektvoll zugleich durch den Dom, durch seine Krypten und Kapellen; erkunden diesen über Jahrhunderte gewachsenen Raum des Glaubens. Für mich ein schönes Bild dafür, was der Auftrag der Kirche in unserer, wie in jeder Zeit ist: Menschen den Raum des Glaubens zu eröffnen, sie hereinzubitten, ihnen die nötige Bewegungsfreiheit zu geben und dabei mitzuhelfen, dass sie in diesem Raum Heimat finden.

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