Planung und Segen

Freitag morgen, 8.30 Uhr, Sitzung Bischofshof: Das Bistumsfest wird für gut zwei Stunden unterbrochen. Ernüchternde Alltagsarbeit ist angesagt: Die Steuerungsgruppe unseres Bistumsprozesses “Projekt 2020” stellt dem Bischof und den Weihbischöfen die aktualisierte Fassung des Strukturplans vor. Ungezählte Rückmeldungen aus den Pfarreien und Dekanaten sind vom Projektbüro gesichtet und eingearbeitet worden. Bevor es in die nächste Beratungsrunde mit dem Priesterrat und dem Pastoralrat geht, wird der Plan intern noch einmal Dekanat für Dekanat durchgeschaut und besprochen. Seite um Seite wird das Bistum irgendwie vor uns aufgeblättert: Gesichter tauchen auf, Gespräche, Briefe, Anliegen …

Vieles ist zustimmungsfähig, aber so manches wird schier unlösbar bleiben und Enttäuschung hervorrufen, so oder so. Bei mancher Frage rettet mich in dieser Sitzung nur der Griff nach den süßen Schokoladeneiern, die im Schälchen vor mir auf dem Tisch stehen … Wie wir es auch drehen und wenden – selbst in diesen Heilig-Rock-Tagen: das Kleid unseres Bistums ist an vielen Stellen weit und löchrig geworden. Die Fäden müssen neu zusammengebunden werden.

Szenenwechsel: 15.20 Uhr, Dom: Bischof Reinhard spricht in seiner Predigt von unserer Verantwortung für das Klima. Nach wenigen Sätzen wird klar, er meint nicht die Erderwärmung sondern das Klima zwischen uns Menschen. Auch dafür tragen wir Verantwortung, gerade als Christen. Merkt man uns an, dass wir aus dem Segen Gottes, das heißt aus seinem liebenden und aufrichtenden Zuspruch heraus leben? Das wäre ein Dienst gegen die Niedergeschlagenheit so vieler Zeitgenossen.

Dann, zum Schluss der Messe, ergeht an die Mitfeiernden die Einladung, sich einzeln von den anwesenden Bischöfen und Priestern segnen zu lassen für die eigenen oder auch die Anliegen anderer Menschen. Wieviele werden wohl auf dieses Angebot eingehen, frage ich mich gespannt. Wird das funktionieren? Für den Dom ist das eine Premiere. Der Bischof macht den Anfang und bittet um den Segen für sich und sein Amt. Dann geht es wie von selbst: Mit großer Selbstverständlichkeit und Intensität wird die Einladung angenommen, und es bilden sich Menschentrauben um die Segnenden. Dabei darf alles sein: Tränen aus Not und Rührung ebenso wie die Bitte um den Dreifach-Segen einer amerikanischen Touristin, die mir zusammen mit sich selbst zugleich ihren Enkel und einen Rosenkranz hinhält.

2 Responses to “Planung und Segen”

  1. Thomas sagt:

    Ich glaube, es ist gut, wenn die Menschen sich untereinander wieder öfter segnen. Der Segen wird immer im Auftrag einer höheren Instanz gegeben, er spricht los von zuviel Verantwortung und Unsicherheit und sagt: es ist gut, dies hier ist nun beendet, fang neu an. Wenn die Menschen sich den Segen der Bischöfe holen, dann können sie wieder eine Zeitlang aufrechter gehen, weil sie sich gesehen und angenommen fühlen.

    So könnten auch Eltern verstärkt darüber nachdenken, ob sie nicht ihre Kinder mit ihrem elterlichen Segen ins Leben entlassen könnten. Das würde bedeuten: ich habe meine Erziehungsarbeit jetzt beendet, ich bin nicht mehr dein Erzieher mit der entsprechenden Weisungskompetenz, sondern ab jetzt dein Partner, und ich möchte es auch sein. Du kannst mich jederzeit fragen, wenn Du unsicher bist – aber ich habe nicht mehr zu bestimmen. Du bist so, wie ich mir meinen Sohn / meine Tochter immer vorgestellt habe. Dem Kind gäbe es die ausgesprochene Wertschätzung, jetzt selbst verantwortlich zu sein und nicht mehr gehorchen zu müssen: es ist wenigstens einmal ausgesprochen, dass es jetzt so ist. Ich glaube, das fehlt im Moment in unserer Gesellschaft, obwohl es die Tradition des “väterlichen Segens” wohl seit langer Zeit gegeben haben muss.

    Wäre es nicht sinnvoll, wenn die Kirche sich dafür einen Ritus überlegen würde, vielleicht in der Form eines Abendlobs? Oder geibt es da schon was?

  2. Johanna sagt:

    Den persönlichen Segen habe ich in diesen Heilig Rock Tagen als einen Höhepunkt erlebt. Alleine schon die Handauflegung verbindet. So wie das Motto des Papstbesuches in Bayern “Wer glaubt ist nicht allein” Meine Mutter hat mir als Kind immer ein Kreuzzeichen gemacht, wenn ich zu Schule gegangen bin. Finden das unsere Kinder eigentlich heute uncool? Für mich war es etwas selbstverständliches und keine Show. Und die Handauflegung bei der persönlichen Segnung war wie “Tuchfühlung mit Gott”. Ich wünsche mir weitere Gottesdienste mit diesem Ritus.

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