Pfingsten diesmal früher

Ich reiße mich vom Abschluss-Fest mit den vielen Heilig-Rock-Helfern los, denn ich muss ja noch meinen WebLog-Eintrag schreiben, den letzten.

Konnte ich gestern schon Familie Gottes erleben, so wird diese Erfahrung heute noch einmal verstärkt und der Kreis noch weiter gezogen: Am Nachmittag ist Messe mit den Familien und den Gemeinden fremder Muttersprache in unserem Bistum. Über dem Chorgestühl hängen rechts und links verschiedene Nationalflaggen. Das erzeugt ein Flair, das irgendwo zwischen Weltjugendtag und Fußballweltmeisterschaft angesiedelt ist. Wer wäre geeigneter, der Messe vorzustehen als Weihbischof Leo Schwarz! Weltkirche wird spürbar, als wir zum Schluss in sieben Sprachen gleichzeitig das „Lobe den Herren“ singen. Mir wird noch einmal deutlich, wie wichtig in der Apostelgeschichte die Bemerkung ist, dass jeder der Versammelten am Pfingsttag die Apostel in seiner Sprache sprechen hörte (Apg 2,8). Gottes Geist ebnet nicht ein. Er uniformiert nicht, sondern er eint die Vielfalt.

Nachher Empfang für die Gäste im Hof des Generalvikariates. Wieder spielt das Wetter mit, auch wenn es zwischendurch gewittrig aussieht. Ich spreche länger mit zwei Italienern. Beide leben sie schon Jahrzehnte in Deutschland, in Saarbrücken. Der eine von ihnen stammt aus Salerno. Ich erschrecke und denke mir: Wie drückend und aussichtlos muss die Arbeitsmarktlage damals in Süditalien gewesen sein, wenn man Salerno, dieses landschaftliche Paradies auf Erden, eintauscht gegen Saarbrücken … (Die saarländischen Blogger mögen es mir nachsehen! Denn längst fühlen sich die beiden Männer an der Saar „dahemm“.)

Schon läutet es zur Abschlussvesper. Ein letztes Mal werden wir in diesen Tagen eingehüllt in Musik und Gebet. Zum Schluss ergreift Bischof Reinhard noch einmal das Wort, um zu danken für die Erfahrung dieser 10. Heilig-Rock-Tage. Er erinnert noch einmal an ihren Ursprung in der Wallfahrt von 1996, er nennt Bischof Hermann-Josef. Und dann fällt das magische Datum 1512, das Jahr, an dem der Heilige Rock auf Drängen des Kaisers zum ersten Mal öffentlich gezeigt wurde.

Danach geht alles sehr schnell: Im Blick auf das 500. Jubiläum dieser ersten Zeigung ruft der Bischof für 2012 eine neue große Heilig-Rock-Wallfahrt aus. Schon in der Ankündigung wird klar, dass diese Wallfahrt wie schon 1996 nicht auf das Bistum begrenzt bleiben wird: „Der Heilige Rock ist uns Trierern anvertraut, aber er gehört der ganzen Christenheit!“ Im Dom brandet Beifall auf. Als ich nachher vor dem Dom stehe, sagt eine alte Frau nachdenklich: „2012 – Ob ich das wohl noch miterleben werde?“ Ich wünsche es ihr.
____________________________

Zum Schluss allen WebLog-Lesern einen herzlichen Abschiedsgruß! Ab morgen, nein, ab heute abend schon wird das „Tagebuch über die Erlebnisse eines Weihbischofs“ wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt …

2 Responses to “Pfingsten diesmal früher”

  1. Ernst sagt:

    Schade, dass es der letzte Eintrag war!
    War interessant zu lesen.

  2. Judith Richter sagt:

    Da ich in diesem Jahr während der Heilig Rock Tage nicht in Trier war, habe ich jeden Tag die Einträge von WB Ackermann gelesen. Es hat mir gut gefallen, so die Tage vor meinem inneren Auge mitzufeiern. VIELEN DANK. Eine gute Idee!

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.