Ein langer erster Tag

April 21st, 2007

Ein strahlender Auftakt: Das Wetter – ideal. Wie schön für die mehr als 2500 Jugendlichen, die heute zu den Treffen der Firmlinge und Weltjugendtagsbegeisterten in die Stadt kommen! Aber auch die Erwachsenen dürfen es genießen. Der Bereich von Hauptmarkt, Sternstraße, Domfreihof und Liebfrauenstraße hat sich in eine regelrechte Kirchenmeile verwandelt, auf der buntes Treiben herrscht.

Am Abend sehe ich innerlich noch vor mir die Gesichter der vielen Menschen, denen ich heute begegnet bin:

– Ich sehe die Gesichter der Jugendlichen in der Antoniuskirche, denen ich klarzumachen versuche, dass wir nur deshalb mit Gott auf Tuchfühlung gehen können, weil Gott zuerst mit uns auf Tuchfühlung gegangen ist – in Jesus. Ich greife zum Bild vom Trikottausch der Fußballer: Zeichen der Freundschaft jenseits von Gewinnen und Verlieren, trotz Schweiß und Schmutz… So will Gott mit uns tauschen: Er nimmt Menschenkleid an, geht in unsere Haut, um uns mit seinem göttlichen Lebens-Gewand zu umhüllen. Die Gabenprozession der Messdienerinnen mit den weißen Röckeln macht das überraschend anschaulich, finde ich. Wahrscheinlich aber wird den Jugendlichen weniger meine Katechese zum Heiligen Rock in Erinnerung bleiben als die nicht ganz so heilige Rock-Musik vor und nach dem Gottesdienst …

– Ich sehe die Gesichter der jungen Leute aus Püttlingen, die zur Freude der Pilger und Touristen im Info-Zelt der „Aktion Arbeit“ echt saarländische Schwenker mit den dazu gehörigen Spezialgabeln fabrizieren.

– Ich sehe das Gesicht der Frau, die mich dort anspricht und mir mit Bitterkeit erzählt, dass ihre Tochter trotz guter Ausbildung wegen einer Erkrankung keinen Arbeitsplatz bekommt. Auch die Kirche habe sie in dieser Situation im Stich gelassen, sagt sie, und lässt mich ratlos stehen.

– Ich sehe die vielen Jugendlichen, die an der Stadtrallye teilnehmen und mich fragen kommen, wieviele Petrusdarstellungen sich auf dem Hauptmarkt finden. Anscheinend glauben sie, ein Weihbischof müsse das aus dem Effeff beantworten können. Doch was wissen sie schon von dem Petrus im Stadtwappen, das sich in Trier auf jedem Kanaldeckel findet …

– Ich sehe die vier Mädels, die ich vor kurzem gefirmt habe und denen ich gerne eine Cola ausgeben möchte, dann aber feststelle, dass mein Kleingeld längst nicht mehr reicht. Gott sei Dank habe ich beim Chef des Verpflegungszeltes Kredit.

– Ich sehe die junge Frau im Taizégebet: Ganz gesammelt sitzt sie in ihrem Rollstuhl und überlässt sich den wiederkehrenden Gesängen: Bonum est confidere in Domino – Gut ist es, dem Herrn zu vertrauen. Doch da ist von dem großen Licht dieses langen Tages nur noch der kleine Schein der vielen Teelichter übrig.

Kurz nach Zehn

April 20th, 2007

Abendlob mit den Essener Domsingknaben: Wirklich erstaunlich, mit welcher Wachheit und Konzentration die kleinen Kerlchen um diese Uhrzeit noch singen!

Das Abendlob endet mit Dietrich Bonhoeffers Gedicht-Gebet Von guten Mächten treu und still umgeben … Sooft ich diesen Text höre – und ich habe ihn nun schon oft gehört -, er nutzt sich nicht ab, er erreicht mein Herz. Wohl deshalb, weil diese Sätze, die nach warmer Poesie aus ruhigen Tagen klingen, in Wirklichkeit Glaubensbekenntnis aus der drückenden Einsamkeit eines Gestapokellers sind. Mit diesen Tönen und Worten lässt sich in die angebrochene Nacht gehen.

Kurz vor Fünf

April 20th, 2007

ackermann-bloggt_2.jpgIn wenigen Minuten werden die Zehnten Heilig-Rock-Tage im Dom eröffnet. Doch irgendwie haben sie schon längst begonnen: Als ich am späten Vormittag vom Büro über den Domfreihof zurück zur Wohnung gehe, werden an den Info- und Empfangszelten von treuen Helfern die letzten Vorbereitungen getroffen, und es liegt schon Festatmosphäre in der Luft. Ich ahne, dass für mich und für viele – nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung des Domes – der normale Arbeitsalltag wieder einmal für 10 Tage unterbrochen sein wird. Eine willkommene, österliche Unterbrechung: 10 Tage lang werden wir Ostern wieder auf trierische Art feiern.

Herr Peukert, der Dombettler, ist auch schon in freudiger Aufregung. Kein Wunder: In den kommenden Tagen wird er an seinem Platz vor dem Südportal im Herzen des Bistums sitzen: Alle werden sie bei ihm vorbeikommen: Pilger und Touristen, Kindergartenkinder und Ministerpräsidenten, Firmlinge und Bischöfe, Soldaten und Ordensfrauen … Mit dem Programmheft bewaffnet, ist er schon eifrig dabei, Auskünfte zu erteilen. Dann kann’s ja losgehen …

Hier beginnt das Heilig-Rock-Blog 2007

April 18th, 2007

ackermann-bloggt_2.jpg… und zwar am Freitag, 20. April, mit einem Beitrag von Weihbischof Dr. Stephan Ackermann…